Freie Journalistin

Astrid Ehrenhauser

Ich lebe in Berlin und schreibe vor allem über
Bildung, Lobbyismus und nachhaltige Entwicklung.
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Der SPIEGEL, 27. 01. 2018

Ich nutze mein Netzwerk“

Gesche Joost ist ehrenamtliche Internetbotschafterin der Regierung. Doch interne Papiere zeigen, dass sie 50.000 Euro jährlich kassierte – und sich im Wirtschaftsressort für eigene Belange einsetzte.

Im November 2016 stand Gesche Joost auf dem IT-Gipfel in Saarbrücken und versammelte das halbe Bundeskabinett um sich. Fasziniert starrten Angela Merkel und ihre Ressortkollegen auf ein sternförmiges, blinkendes Gerät, das eine Schülerin vorführte. Wenn es nach Gesche Joost geht, soll bald jeder Drittklässler mit dem Calliope mini, so der Name des handlichen
Minicomputers, programmieren lernen.
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UNI SPIEGEL, 4/2018

Bienchen, Blümchen, Porno

Medizinstudierende sprechen mit Neuntklässlern über Sex. Klingt peinlich, ist es aber nicht. Meistens zumindest.

Das Sex-ABC ist vollständig. 26 Begriffe haben die Mädchen auf das Whiteboard geschrieben, von A wie Analsex bis Z wie Zärtlichkeit. Intersex, Erektion, Menstruation – reihum erklären sie nun, was gemeint ist. O wie Orgasmus: »Wenn der Mann kommt, hat er einen Samenerguss«, beschreibt eine Schülerin. »Und der Höhepunkt bei der Frau?«, hakt Lea Bauerfeind nach. 18 Teenager runzeln die Stirn. Ein
paar grinsen. Ein Mädchen stupst seine Nachbarin an. Also noch mal anders: »Woran merkt man, dass eine Frau erregt ist?« Niemand meldet sich.

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taz.die tageszeitung, 22. 10. 2017

Google in der Grundschule

Wie deutsche Ministerien dem Konzern helfen, den Unterricht zu erobern

Der Calliope mini ist so klein wie ein Handteller. Auf die flache Platine können Kinder Programme laden, die sie davor am Computer selbst geschrieben haben. Mit den bunten Bausteinen der grafischen Programmiersprache können sie einander Nachrichten schicken oder einen selbstfahrenden Roboter bauen. Das Gerät soll in allen Schulfächern einsetzbar sein, zum Beispiel, um einen Schrittzähler für den Sportunterricht zu programmieren.
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taz.die tageszeitung, 28. 03. 2016

Starke kleine Schwestern

Sind die Geschwister behindert, läuft vieles im Alltag anders. Vor allem im Alter wächst die Verantwortung der Angehörigen.

Den grünen Teppich hat sie vor sechs Jahren ausgerollt. Als flauschiges Fußballfeld liegt er vor dem Bett mit dem Borussia-Dortmund-Bezug, in dem niemand schläft. Dennoch wäscht Renate Kratschmer alle paar Monate die Laken. Sie will vorbereitet sein.
Schirmmützen mit Fußballmotiven, Fanketten der Nationalelf und ein Fernseher warten in dem 15 Quadratmeter großen Zimmer. Warten auf Joachim, ihren großen Bruder mit Downsyndrom. Sobald die 88 Jahre alte Mutter nicht mehr kann, wird Renate ihr Versprechen einlösen und Joachim aus dem bayerischen Frankenwinheim zu sich holen. „Das ist der Moment, vor dem ich mein Leben lange Angst hatte“, sagt sie.
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taz.die tageszeitung, 16. 03. 2016

Ein Bruder kämpft für seine Jungs

In einem oberbayerischen Kloster kümmern sich Kapuzinerbrüder um vier muslimische Flüchtlingsjungen. Das tut beiden Seiten gut.

Ahmed* wirft den Gebetsteppich auf das Parkett zwischen seinem Bett und dem Schreibtisch. Es ist früh am Morgen, kurz nach sechs. Der 17-Jährige blickt flüchtig aus dem Fenster seines Zimmers in Sankt Konrad und schiebt den gemusterten Flecken Stoff etwas weiter nach links, Richtung Mekka. Dass der Sunnit in einem katholischen Kloster betet, stört ihn nicht: „Christen und Muslime sind alles Brüder. Wenn das Herz und der Verstand sauber sind, ist alles gut.“
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